Life-Lessons

Vor kurzem habe ich zwei handgeschriebene Briefe verschickt. Einer war ein Dankesbrief für eine Einladung, der zweite ein Beileidbriefs zum Tode des Vaters einer Freundin. Ich war sehr erstaunt, als die Empfängerinnen es als etwas Besonderes empfanden, einen Brief zu bekommen - und dann noch mit der Hand geschrieben! Aber es ist tatsächlich so, die Briefkultur stirbt langsam aus. Sie wird verdrängt von Emails. Sogar Geburtstagsgrüße verschickt man auf diese Art, gerne garniert mit einer...
Wir maßregeln uns ständig selbst: "Du musst dich mehr anstrengen". "Reg dich doch nicht immer gleich so auf, bleib gelassen."" "Warum hast du da wieder zugesagt? Du wolltest das doch eigentlich gar nicht." "Dieses Stück Kuchen hätte nicht sein müssen, oder?" Ja, es gibt einiges zu verbessern und Selbstkritik ist ansich ganz nützlich. Aber nur, wenn auch das Gegengewicht stimmt:

Wie in Paris an der Pont Neuf hängen auch an einer Frankfurter Brücke hunderte von Schlössern. Junge Leute geben damit ein Statement ab: Unsere Liebe soll für immer sein. Wie as wohl sein wird, wenn sie 10 Jahre später wieder zu dieser Brücke kommen. Vermutlich ist die Jugendliebe längst passé, das Schloss verrostet. Aber der Glaube an die ewige Liebe ist wahrscheinlich noch ungebrochen.
Heute in der Hamburger Innenstadt: Im Schaufenster der Münchner Taschenfirma Aigner strahlt mich ein Foto von Iris Apfel an. Sie ist das Testimonial der Marke. Hallo, die Lady ist 97! – und damit sicher das älteste Supermodel der Welt. Zwar konnte man es sich offenbar nicht verkneifen, Iris` Falten per Fotoshop zu glätten – leider, denn damit geht Ausdruck verloren. Aber trotzdem, Iris Apfel ist ein Vorbild, neudeutsch „Rolemodel“ für alle, die schon ab 40 jammern, dass sie übersehen werden.

Kürzlich im ICE von Kassel nach Hamburg. Ich hatte einen Platz im Ruheabteil gebucht, um etwas zu arbeiten. Zwei mittelalte Männer mit Laptop betraten das Abteil und begannen, sich lautstark und ausführlich über ihren Job zu unterhalten. Ich verwies auf das Ruhe-Symbol an der Tür und bat sie, ihr Gespräch zu beenden.
Manchmal geht es heiß her: Wir streiten uns heftig mit unserem Partner oder unserer Partnerin. Wir sind total genervt, dass unser Nachbar so intensiv grillt, dass wir Atemnot bekommen. Oder dass der Fahrgast im Zug uns lautstark an seinem Gespräch mit den örtlichen Handwerkern teilnehmen lässt

Was ist denn besser? Die Frage ist keineswegs rhetorisch gemeint. Sicher, in vielen Fällen ist es günstiger, optimistisch zu sein.
Diese Szene hat jemand auf einen Bretterverschlag gesprüht , hinter dem beim Hamburger Dammtor-Bahnhof renoviert wird. Kunst ohne Kommerz, nur aus Vergnügen...

Jeden Tag gibt es -zig Gelegenheiten, wütend zu werden. Worüber, lässt sich in Gruppen zusammenfassen...
Wir neigen dazu, Menschen und Ereignisse kategorisch in „gut“ oder „schlecht“, „sympathisch“ oder „unsympathisch“, „passend“ oder „unpassend“ einzuteilen. Das macht es uns aber nur scheinbar leichter, damit umzugehen...

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