Dennis Gastmann: Der vorletzte Samurai

256 Seiten, 19,95 €, Rowohlt Berlin

Dennis Gastmann, als Reiseschriftsteller bestens bekannt, hat diesmal einen sehr persönlichen Anlass für seine Reise nach Japan: Gemeinsam mit seiner Frau Natsumi, deren Mutter aus einer alten Samuraifamilie stammt, unternimmt er die Hochzeitsreise in ihre zweite Heimat. Dabei lernen sie Natsumis Verwandte kennen und bereisen unter anderem Tokio, Matsushima, Hakodate, Nikko, Kyoto, Hiroshima, Beppu, Kagoshima, Fukuoka und Kobe.

Der Verlag beschreibt das Buch als ein faszinierendes Porträt eines Landes zwischen Anarchie und Ordnung sowie als persönliches Abenteuer. Persönlich ist dieses Buch ohne Zweifel. Gastmann konzentriert sich vor allem auf seine individuellen Erlebnisse: Begegnungen mit den Verwandten, den Empfang in Hotels, Restaurantbesuche oder skurrile Begebenheiten unterwegs.

 Das ist durchaus unterhaltsam und vermittelt auch den einen oder anderen kulturellen Einblick. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die bereisten Orte dabei in den Hintergrund treten. Gerade bei einer Reise durch ein so faszinierendes Land wie Japan hätte ich mir mehr Atmosphäre, mehr Geschichte und mehr vom besonderen Charakter der einzelnen Regionen gewünscht. Ein Beispiel ist Nikko, das ich selbst von einer längeren Japanreise kenne. Dort gibt es nicht nur die berühmten Tempelanlagen, sondern auch ein wunderbares Museum, einen besinnlichen Pfad mit psychologischen Weisheiten sowie in der näheren Umgebung den eindrucksvollen Kegon-Wasserfall und den malerischen Chūzenji-See. Im Buch erfährt man stattdessen vor allem von einer skurrilen Sekte, den Eigenheiten eines Hotelmanagers, der vermeintlichen Hässlichkeit der Tempel und einem Besuch in einem Private-Dining-Restaurant.

Ich habe natürlich keinen klassischen Reiseführer erwartet. Aber ich hätte mir gewünscht, stärker in die Atmosphäre dieses außergewöhnlichen Landes einzutauchen und mehr über die Orte selbst zu erfahren.

So schließe ich mich einem Amazon-Kommentar an, der meinen Eindruck treffend zusammenfasst: „Ja, ich gebe zu, hier und da war es interessant, da durfte ich kulturelle Einblicke genießen, und es war auch streckenweise unterhaltsam. Aber der Autor schaffte es nicht, mich in seinen Bann zu ziehen – eher wollte ich ihm schon ein Rückflugticket buchen.“

Wer sich für Dennis Gastmanns Beobachtungen und seinen oft ironischen Blick auf Land und Leute interessiert, wird daran Gefallen finden. Wer jedoch – so wie ich – hofft, durch die Augen eines Reiseschriftsteller auch die bereisten Orte kennenzulernen, bleibt am Ende etwas unbefriedigt.