Tan Twan Eng: Das Haus der Türen (Roman)

352 Seiten, 15 €, Dumont

Malaysia, 1921: Lesley Hamlyn lebt das äußerlich geordnete, komfortable Leben einer Frau der britischen Kolonialgesellschaft. Als der Schriftsteller W. Somerset Maugham – ein alter Freund ihres Ehemanns Robert – zu Besuch kommt, bringt er gemeinsam mit seinem Sekretär Gerald Haxton frischen Wind in das abgeschiedene Haus der Hamlyns. Maugham ist bereits ein gefeierter Autor, zugleich jedoch innerlich von Zweifeln und Ängsten geprägt.

Zwischen ihm und Lesley entwickelt sich eine vertrauliche Nähe. Nach und nach offenbart sie ihm Teile ihrer Vergangenheit: ihre Unterstützung antikolonialer Bewegungen im frühen 20. Jahrhundert, eine leidenschaftliche Affäre mit einem chinesischen Arzt sowie das langsame Zerbrechen ihrer Ehe. Wie Maugham und ihr Ehemann lebt auch sie in einer Welt der Fassaden, in der das wahre Ich verborgen bleiben muss. Hoffnung gibt ihr lediglich der Gedanke, ihren Geliebten eines Tages wiederzusehen – während ihr Mann bereits plant, nach Südafrika überzusiedeln.

 Tan Twan Eng verwebt drei Zeitebenen miteinander: Episoden aus dem Leben Somerset Maughams, Lesleys politische Verstrickungen um 1910 sowie ihre Ehekrise, ergänzt durch einen Mordprozess in der Gegenwart der Romanhandlung.

So entsteht ein atmosphärisch dichter, vielschichtiger Roman, der weniger durch äußere Ereignisse als durch Perspektivwechsel und innere Enthüllungen Spannung erzeugt. Mit eleganter, ruhiger Sprache gelingt eine eindringliche Reise in die koloniale Welt Malaysias – ein Buch zum Eintauchen und Verweilen in einer vergangenen Epoche.