288 Seiten, 22 €, DVA
Dass das Älterwerden derzeit Konjunktur hat, lässt sich kaum übersehen. Autorinnen und Autoren in den Fünfzigern widmen sich dem Thema auffällig häufig, und auch Alexander Kühn, SPIEGEL-Reporter, reiht sich mit seinem Buch in diese wachsende Sammlung ein. Ausgangspunkt ist sein eigenes 50. Lebensjahr und der Versuch, sich mit dieser Zäsur zu arrangieren.
Kühn kombiniert persönliche Beobachtungen mit einer Reihe von Interviewpartnern: Er trifft prominente und weniger bekannte Menschen unterschiedlichen Alters, darunter Klaus-Michael Kühne, Otto Waalkes, Barbara Schöneberger, Nana Mouskouri, Thomas Gottschalk sowie den YouTuber Rezo, eine Sekretärin, eine trans Frau und einen Bäckermeister. Diese Mischung soll Perspektiven auf das Altern eröffnen und Vielfalt schaffen.
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurzgehalten, meist zwischen zwei und sieben Seiten, und tragen zugespitzte Titel wie „Goldfisch oder Hai“, „Auferstanden aus Routinen“ oder „Mein Leben als Rentner“. Genau hier zeigt sich jedoch ein zentrales Problem des Buches: Vieles bleibt angedeutet, kaum etwas wird wirklich vertieft. Statt eines klaren roten Fadens entsteht eine Art thematischer Sammelband, der eher assoziativ funktioniert. Das kann man als bewusstes Stilmittel sehen – als Mosaik zum Thema Altern. Gleichzeitig entsteht aber auch der Eindruck von Unverbindlichkeit. Die Vielzahl der kurzen Abschnitte erinnert stellenweise an das schnelle Scrollen durch Social Media: ein Gedanke, ein Eindruck, dann schon der nächste.
Wer vom Titel her ein klassisches Ratgeberbuch erwartet, wird ohnehin frustriert. Doch auch als Essay- oder Ideensammlung fehlt es dem Buch an Substanz. Über 288 Seiten hinweg wirkt die Struktur eher zersplittert als dramaturgisch aufgebaut. Älter werden für Anfänger bleibt bei bloßen Momentaufnahmen, die weder wirklich unterhalten noch länger zum Nachdenken anregen – und das ist letztlich enttäuschend.
