Paris–Tokio. Christian Bau

352 Seiten, 90 €, Matthaes

Die Leser meines Rezensionsblogs wissen: Sobald Japan im Spiel ist, bin ich dabei. Schon der Titel dieses Buches – Paris–Tokio – hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich erwartete zunächst ein klassisches Kochbuch mit Gerichten, die sich vielleicht mit etwas Mühe zu Hause nachkochen lassen. Doch diese Erwartung wird schnell und sehr deutlich korrigiert: Dieses Werk spielt in einer ganz anderen Liga.

Was man in den Händen hält, ist im besten Sinne ein schwergewichtiges Kunstobjekt – sowohl inhaltlich als auch physisch. Die opulente Gestaltung, die fotografische Inszenierung der Gerichte und die handwerkliche Präzision der Zubereitungen vermitteln von der ersten Seite an den Anspruch absoluter kulinarischer Spitzenklasse.

Christian Bau zählt seit Jahren zu den renommiertesten Köchen Deutschlands. In seinem Drei-Sterne-Restaurant Victor’s Fine Dining by Christian Bau verteidigt er seit über zwei Jahrzehnten kontinuierlich die höchste Michelin-Auszeichnung. Paris–Tokio ist gewissermaßen die verdichtete Essenz dieses Schaffens – eine kulinarische Reise zwischen französischer Hochküche und japanischer Präzision.

Das Buch versammelt mehr als 60 Gerichte, ergänzt durch hunderte Einzelschritte und Rezepte sowie zwölf sogenannte Signature-Dishes, deren Entstehung und Hintergrund der Food-Journalist Dr. Christoph Wirtz dokumentiert. Dabei wird schnell klar, dass hier nicht gekocht, sondern komponiert wird.

Schon ein flüchtiger Blick auf einzelne Gerichte zeigt das Niveau: etwa „Toro vom Tuna“, angerichtet mit 200 Gramm Kaviar, japanischem Schnittlauch und Shisoblüten. Oder wild gefangene Dorade, deren Herkunft und Qualität bereits Teil des kulinarischen Konzepts sind. Die Fotografien zeigen keine bloßen Speisen, sondern minimalistisch arrangierte, fast skulpturale essbare Kunstwerke.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Buches, das weniger als praktisches Kochhandbuch funktioniert, sondern vielmehr als Dokument kulinarischer Exzellenz. Für Hobbyköche ist es vielleicht vergleichbar mit Picasso für Maler: faszinierend, inspirierend – aber kaum nachahmbar.