228 Seiten, 22,99 €, Ullstein
Ich würde ja gerne schreiben: „Großartig – und so tiefgründig.“ Aber ehrlich gesagt: Mehr als fair geht leider nicht. Davon später mehr.
Zunächst zum Inhalt, wie ihn der Verlag zusammenfasst: Ildikó von Kürthy feiert die Kraft der Lebensmitte, das Wunder des Mittagsschläfchens und das kostbare Gefühl, dass wir mit all unseren Ängsten, Ideen, Zweifeln, den schmerzhaften Abschieden und der wuchtigen Gleichzeitigkeit von Licht und Schatten nicht allein sind. Dazu hat sie sich als Topmodel beworben, sich vom Grab ihrer Eltern verabschiedet und ist nachts in New York sich selbst begegnet.
Ildiko von Kürthy schreibt flüssig und hat die seltene Gabe, sich unterhaltsam und interessant auszudrücken. Die Idee, ihre Erkenntnisse zu ihrem Alter – 58! – um eine Geburtstagsparty herum aufzubauen, ist clever umgesetzt. Es gibt viel Witz, und einige Passagen, wie der Brief ihres Vaters oder Rückblicke auf ihre Kindheit, sind tatsächlich berührend.
Warum also kein Halleluja von meiner Seite? Das Buch wirkt egozentrisch und auf eine vermeintlich tiefgründige Weise oberflächlich. Kürthy beschreibt ihr Innenleben, als sei es universell relevant – ein Eindruck, den sie selbst zu erkennen scheint: „Manchmal denke ich, dass eine gewisse Form von pathologischem Kreisen um sich selbst und um die Welt nötig ist, um zu schreiben.“ Leider eben nur um sich selbst, nicht um die Welt. Eitelkeit tarnt sich geschickt als Selbstzweifel: Die Autorin kokettiert mit Phobien und inneren Schwächen, ohne dass es wirklich berührt.
Doch man darf nicht mehr erwarten, als eine Autorin geben kann – für mich bleibt das zu selbstverliebt und zu pseudo-dramatisch. Aber ihre langjährien Fans werden sich wieder verstanden fühlen, und das reicht allemal für einen Bestseller.
