Connie Palmen: Du sagst es

178 Seiten, 12.-€    Diogenes

 

Vor der Lektüre von Connie Palmens Buch über die Beziehung von Sylvia Plath und ihrem Ehemann Ted Hughes war mir die Dichterin nur oberflächlich als bedeutende amerikanische Lyrikerin bekannt, die sich zwischen Kunst und Küche zerrissen fühlte und 1963 Selbstmord beging. Allgemein wird sie als eine feministische Märtyrerin gesehen, die wie kaum eine andere die Frustration der Frauen zwischen Beruf und Familie beschrieben hat. Diese Sichtweise erklärt ihren Mann zum Schuldigen, denn offenbar hat er sie nicht genügend unterstützt.   

 

Connie Palmen wählt eine andere Perspektive, um die Beziehung dieses berühmten Paares der modernen Literatur zu beschreiben. Ihr Protagonist ist Ted Hughes. Dabei zeichnet sie ihn als fürsorglichen Ehemann, der in den ersten Jahren von seiner Frau fasziniert ist. Das Paar ist sehr verliebt, arbeitet zusammen, unterstützt einander auf dem Weg zum Ruhm. Doch dann zeigt sich immer deutlicher Sylvias psychische Labilität. Ted versucht so gut wie möglich, ihre Panikattacken und ihre Stimmungsschwankungen aufzufangen. Als sie auf Sylvias Wunsch zwei Kinder bekommen, wird das gemeinsame Leben immer schwieriger. Ted flieht in eine Affäre. Die beiden trennen sich räumlich. Für Sylvia ist das der Anfang vom Ende. Connie Palmen sieht die Geschichte zwar durch die Augen des Ehemannes, aber sie geht auch fair mit ihrer weiblichen Hauptperson um. Beide sind gleichermaßen in einem Netz von obsessiver Liebe, persönlicher Problematik und äußeren Umständen gefangen. Beide sind – wenn man denn überhaupt von Schuld sprechen kann – für die Tragödie verantwortlich.

 

Connie Palmens klare, schöne Sprache macht die psychologischen Vorgänge sichtbar und zieht wie mit einem Sog in die Geschichte hinein. Am Ende hatte ich das Gefühl, ich hätte das Paar aus nächster Nähe gekannt. Ein literarischer Lesegenuss.  

 

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