Jana Revedin: Margherita

304 Seiten , 22.- €   Aufbau  Verlag

 Ich habe den Roman aus zwei Gründen gerne gelesen: Ich liebe Venedig und ich liebe Geschichten, die einen wahren Hintergrund haben. Die Protagonistin Margherita ist nicht nur die Schwiegergroßmutter der Autorin, sondern war den 1920er Jahren eine bekannte Persönlichkeit. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und ist  Zeitungsverkäuferin, als sich der aus altem italienischem Adel stammende Graf Antonio Revedin in sie verliebt und ihr einen Heiratsantrag macht. Vor der Hochzeit verbringt Margherita ein halbes Jahr in Paris, besucht dort Kunstgalerien und lernt aufstrebende junge Künstler kennen. Zu ihrem Kreis gehören Coco Chanel, Alberto Giacometti, Elsa Schiaparelli, Jean Patou und Eugenia Errázuriz. Diese Freundschaften prägen Margherita und inspirieren sie, als sie später gemeinsam mit ihrem visionären Ehemann einen Kultur- und Naturtourismus plant. Das Paar beginnt, Venedig und den Lido zu einem weltoffenen, modernen kulturellen Zentrum zu machen. So lernt Margherita auch die berühmte Kunstsammlerin Peggy Guggenheim kennen. Dann kommt das Jahr 1936 und verändert ihr Leben nicht nur in politischer Sicht, sondern auch mit persönlicher Tragik.

 Soweit, so interessant. Die Geschichte und die zahlreichen Informationen zu Zeit und Ort trösten darüber hinweg, dass die Autorin keine Schriftstellerin ist, sondern Professorin für Architektur. Das prägt offenbar ihren ambitionierten Schreibstil: Die Dialoge wirken   künstlich, sind mit Fakten überfrachtet und den Personen oft unangemessen. Da unterhalten sich etwa eine Frau aus einfachen Verhältnissen und ein zehnjähriger Junge miteinander wie Intellektuelle. So entsteht leider keine Atmosphäre.

 Mein Fazit: Eine lesenswerte Geschichte, kühl präsentiert.

 

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