Ulf Poschardt: Mündig

269 Seiten, 20.- € Klett-Cotta

Ulf Poschardt, „Welt“-Chefredakteur mit philosophischem Hintergrund, geht von der berühmten Aussage Immanuel Kants aus, dass Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit bedeutet. Ambitioniert nimmt er sich 16 Bereiche vor, in denen er seine Idee von Mündigkeit beschreibt: Der mündige Träumer. Der mündige Intellektuelle. Der mündige Pädagoge. Der mündige Demokrat. Der mündige User…In den Kapiteln hüpft er elegant vom einen zum anderen: In „Die mündige Frau“ etwa von Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“ zu Greta Thunberg und Luisa Neubauer von „Fridays for future“. In „Der mündige Unmündige“ lobt er die wilde Risikobereitschaft von Rennfahrern wie Niki Lauda oder Senna und zeigt milde Verachtung für die kontrollierte, ergo unmündige Fahrweise eines Michael Schumacher. Und so fort.

 Der Streifzug durch Historisches, Soziologisches, die Auswahl der Testimonials für Mündigkeit und ihre Beschreibung sind durchaus anregend.  Nur schade, das Poschardt jedes kritische Nach-Denken beim Lesen mit einer typisch intellektuell selbstverliebten Sprache verhindert. Das erinnert mich an einen Phiosophie-Professor. Als ich ihn als Studentin mutig fragte, warum er einfache Sachverhalte immer so kompliziert beschreibt, sagte er arrogant: "Ich schreibe nicht für meine Studenten, ich schreibe für meine Kollegen". Auch hier habe ich den Eindruck, dass es mehr um ein intellektuelles Profil geht, als um klares Denken. So braucht es eine Weile, bis man erkennt, dass die subjektiv gewählten Beispiele weitaus mehr mit Anarchie, Rebellion und Kontrollverlust als mit Mündigkeit zu tun haben. Das ist gewiss auch recht inspirierend, verfehlt aber das Thema. .

Für wen ist das Buch empfehlenswert? Für Freunde im Geiste des Autors, für LeserInnen mit intellektuellem Touch, für Hobbyphilosophen.  

 

 

 

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