Helge Timmerberg: Reinhold Würth. Der Herr der Schrauben

200 Seiten, 22.- € . Piper

 Ich lese gerne Blografien, zuletzt die von Multimediakünstler André Heller, Amazon-Chef Jeff Bezos und der Unternehmerfamilie Quandt. Reinhold Würth hätte mich nicht unbedingt interessiert, wäre nicht Helge Timmerberg ein Autor, den ich sehr mag. Eigentlich ist er Reiseschriftsteller. Also der und eine Biografie? Ich war gespannt. Tatsächlich ist diese Biografie eher ein echter Timmerberg als eine auf knallharter Recherche beruhende objektive Lebensbeschreibung.  Charmant und subjektiv zeichnet er das Bild eines liebenswürdigen, engagierten, an seinen MitarbeiterInnen interessierten Unternehmers. Wir erleben einen bodenständigen, seiner Ehefrau treuen Milliadär mit Sinn fürs internationale Geschäft, gute Lebensart und Kunst. Und wo ist der Haken? Gibt es wirklich keine dunklen Seiten, wie ich sie in allen anderen Biografien gefunden habe? Entweder ist der inzwischen hochbetagte „Herr der Schrauben“ Reinhold Würth ein auch menschlich idealer Unternehmer, wie es ihn selten gibt – oder Helge Timmerberg, eindeutig verliebt in seinen Auftraggeber, hat einfach nicht genau hingeschaut. Jedenfalls ist diese Biografie des Patriarchen eines Weltkonzerns so gut lesbar wie seine Reisebücher, zumal er sich im zweiten Teil des Buches als Interviewer selbst ins Spiel bringt. Warum nicht, schließlich ist auch das Leben eine Reise.

 

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