Sven Kuntze: Alt sein wie ein Gentleman. Über Würde im Alter und andere überschätzte Tugenden

255 Seiten. 20.- €  C. Bertelsmann

 

„Schad um´s Papier“, urteilt der Autor gleich zu Beginn generell über Ratgeberliteratur. Sie sei für „verunsicherte Leser, denen es offensichtlich an Kraft und sozialen Kontakten mangelt, um ihre Probleme ohne den broschierten Rat einer ihnen fremden Person in den Griff zu bekommen.“ Und dann, welch Zufall, nimmt er sich ausgerechnet eines meiner Bücher vor – von dem ich nun aus erster Hand weiß, dass es a) fundiert geschrieben ist und dass b) meine LeserInnen keine verhuschten Mäuse sind – und zerpflückt es allein nach Sichtung der Überschriften. Aber gut, ich will ja nicht nachtragend sein und objektiv schauen, was denn Herr Kuntze so bietet. (Übrigens bin ich nicht nur Psychologin, sondern habe auch ein abgeschlossenes Studium der Germanistik und Philosophie. Man darf mir vertrauen.)

In Kapiteln mit Titeln wie „Tante Barbara und der Mann am Nebentisch“ oder „Heiners Heimkehr in die Fremde“ mäandert der Autor durch Familiengeschichte, Nachbarschaft, Karibiktörns und Talkshows und nimmt sie zum Anlass, jeweils etwas Bildung, kluge Frage mit Antworten im Nirgendwo und Statements wie „seltsamer und spurloser als auf Kreuzfahrtschiffen ist nie gereist worden“. Doch, ja, es ist auch vom Alter die Rede. Etwa: „Unser Gehirn wird im Alter träge und bequem“ oder „Soziale Kompetenz äußert sich jetzt vor allem im geduldigen Zuhören.“

 Im Abspann fasst der Autor zusammen: „Das war eine ziemlich raue Fahrt querfeldein durchs Thema gewesen. Ich fürchte jedoch, am Ende wird wenig Greifbares für den täglichen Gebrauch herausgekommen sein.“ Stimmt. Aber ist elegant geschrieben.  

 

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